Datum:
22.03.2020
Ort:
Betsaal

WERBACH


LESUNG BÄRBEL SCHÄFER KOMMT MIT IHREM NEUEN BUCH IN DIE EHEMALIGE SYNAGOGE NACH WENKHEIM

Statement gegen das Vergessen


Wenkheim.
Auf Einladung des Vereins „die Schul – Gedenkstätte Synagoge Wenkheim“ liest die bekannte Journalistin, Autorin und Moderatorin Bärbel Schäfer am Sonntag, 22. März, um 17 Uhr aus ihrem neuesten Buch „Meine Nachmittage mit Eva“.1821050492 729804 2Ya7 1

Bärbel Schäfer ist bekannt. Sie etablierte in den Achtzigern erfolgreich eine tägliche Talkshow in Deutschland im damals jungen Privatfernsehen. Doch es gibt ein deutlich journalistischeres und engagierteres Leben danach: Seit vielen Jahren legt sie als Autorin Bücher vor, die eigentlich immer aus privatem Interesse und Blickwinkel heraus gesellschaftliche und politische Themen aufarbeiten.


Der Verantwortung stellen

Nicht erst seit sie – nach der Hochzeit mit ihrem Mann Michel Friedmann – zum jüdischen Glauben konvertiert ist, beschäftigt sich Bärbel Schäfer mit der deutschen Vergangenheit, der Vernichtung und Auslöschung von Menschen in den KZs und Gaskammern der Nazis. Daraus folgt für sie die Überzeugung, dass die Deutschen der nachfolgenden Generationen sich auch heute und in Zukunft dieser Verantwortung stellen müssen.

In ihrem neuen Buch „Meine Nachmittage mit Eva“ schildert sie aus diesem persönlichen Blickwinkel heraus ihre Begegnungen und ihre Freundschaft mit einer der letzten in Frankfurt noch lebenden Menschen, die das Vernichtungslager Auschwitz überlebt haben. So wird aus deren beider Leben ein wichtige Publikation für heute: Zwei Frauen, zwei Generationen, zwei Erfahrungswelten: Bärbel Schäfer und die fast 90-jährige Eva Szepesi.

Eva, 1932 in Ungarn geboren, trägt eine tätowierte Nummer auf dem Unterarm. Sie war elf Jahre, als sie vor den Nazis fliehen musste und nach Auschwitz deportiert wurde. Bei der Befreiung am 27. Januar 1945 entdeckte sie ein russischer Soldat der Roten Armee. Er dachte, sie sei tot. Als er merkte, dass Eva noch atmete, trug er sie aus dem Lager. Sie überlebte als zwölfjähriges Mädchen.

Jeden Mittwoch besuchte Bärbel Schäfer Eva Szepesi, die ihr zu einer Freundin wurde. Die beiden sprachen über Gewalt, Schrecken und Angst, aber auch über Freundschaft, Toleranz, Respekt. Diese Begegnung löste bei der Journalistin und Moderatorin ein persönliches Nachdenken über die Haltung in der eigenen Familie, ihre Geschichte und den Umgang mit der Vergangenheit aus.

Genau aus dieser Haltung heraus spiegelt Bärbel Schäfer in ihrem Buch „Meine Nachmittage mit Eva“ literarisch und auf tief empathische Weise die eigene Lebensgeschichte in den Erzählungen Evas und holt die erschütternden Erfahrungen in die Gegenwart: Evas Gestern trifft auf ihr Heute, ihre Erinnerungen, ihren Alltag, ihre Beobachtungen zur aktuellen Stimmung in der Gesellschaft.

Ein beeindruckendes Statement gegen das Vergessen und das Schweigen liefert Bärbel Schäfer – in Zeiten des Populismus wichtiger denn je. weba


© Fränkische Nachrichten, Donnerstag, 30.01.2020

  Veranstaltung |  Sonntag, 09. Februar 2020 00:00 |  Dienstag, 17. März 2020 17:58 |  Sue |  1668