"Denn Schmetterlinge leben hier nicht im Ghetto"
Freitag, 10. Juli 2026 19:30 - 21:30
Betsaal
Erinnerungsarbeit als Gesamtkunstwerk
„Nie wieder Auschwitz“ – nie wieder Flossenbürg, Mauthausen, Dachau, Treblinka, Bergen-Belsen;
nie wieder Theresienstadt. Was kann getan werden, um die Erinnerung an die Geschehnisse vor 80 Jahren wachzuhalten? Ullrich Reuter hat eine Antwort auf diese Frage erarbeitet: Er legte ein
Gesamtkunstwerk vor. Es besteht aus Texten, Bildern, Liedern und Musik, zusammengeschnürt in 88 dichte Minuten Darbietung von „Noema“ (Ullrich Reuter, Klarinette und Gesang, zusammen mit Wim
Scheuerlein, Gitarren) mit Conny Lang und Bernd Fischer (Lesungen und Gesang). 100 Folien mit Zeichnungen von 26 Personen, Texte von 7, Lieder und Musikstücke von 10 Autorinnen und Autoren:
Es ist ein eindrucksvoll gewobenes Mosaik, das Geist und Seele der Anwesenden anspricht und erreicht. Ein aufwändig und akribisch gestaltetes Faltblatt nennt die Namen und Lebensdaten der
Autoren, informiert über die Geschichte und die Veranstaltung und nennt auch die Quellen des Materials sowie weiterführende Internet-Links.

Es geht um Theresienstadt. In einer Zeit, wo Fake News in den Anfängen des Tonfilms neu erfunden wurden, wo Autokraten ihre Propaganda sehr kontrolliert verbreiten konnten, da produzierten die
Nazi-Strategen einen Film, um ihn der Weltöffentlichkeit zu präsentieren, „Theresienstadt – Ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet“. Eine internationale Kommission des Roten
Kreuzes ließ sich täuschen, von einem Idyll mit freien Handwerkern, Einkaufsmöglichkeiten, vielfältigen Freizeit- und Kulturangeboten, Schrebergärten und Fußballspiel. Dies alles erfährt man im
Laufe des Abends: dass bis zu 60 000 Gefangene zusammengepfercht wurden, insgesamt von 1942 bis 1945 150 000 Häftlinge, darunter 15 000 Kinder. „Die Kinderoper ‚Brundibár‘ wurde in
wochenlangen Proben mit den Kindern einstudiert und insgesamt 55-mal aufgeführt – mit immer wieder wechselnden Besetzungen. Denn regelmäßig wurden die jungen Darsteller deportiert und
ermordet – ebenso wie der Komponist Hans Krása und der Dirigent Rudolf Freudenfeld.“ Es ist ein Höhepunkt des Abends, die Kinder in einem Filmausschnitt lebendig zu sehen und singen zu hören.
[Quelle: Jochen Riehl]
Die Künstler: Gruppe Noema
